Veranstaltungsreihe

„Das Eschaton ist angebrochen“ – "Die Baugrube" lesen. Sibylle Lewitscharoff im Gespräch mit Katharina Raabe

Platonow-Lektüren II

„Ich kann mich an kein Buch erinnern, das mich mit einigen gut platzierten Hieben derart in Beschlag genommen hätte, dass meine Hände beim Weiterlesen zu zittern begannen und ich tagelang verstört durch die Gegend lief, fast, als hätte ich eine schwere Kopfverletzung erlitten. Bis vor drei Wochen habe ich das Buch nicht mehr angefasst. Es erschien mir zu gefährlich“, schreibt Sibylle Lewitscharoff in ihrem Nachwort zu Gabriele Leupolds Neuübersetzung der Baugrube von Andrej Platonow. Was ist das Verstörende an diesem kurzen Text? Woher rührt der Eindruck der Leserin, dass hier Worte Menschen töten und jeder Satz höchst reale Ungeheuer gebiert? Welche Auswirkungen hatte die Lektüre auf das Selbstverhältnis der kritischen Linken, die sie damals war? Handelt es sich bei dem jüngsten Roman Das Pfingstwunder, einer Apotheose des verwandelnden Lesens, auch um eine Spätfolge dieser Lektüre? Fragen an die Büchner-Preisträgerin des Jahres 2013, die sie im Gespräch mit Katharina Raabe, Lektorin im Suhrkamp Verlag, erörtern wird.