Veranstaltungsreihe

Generalnaïa Linïa (Staroye i Novoye) / Die Generallinie (Das Alte und das Neue)

UdSSR 1929, R/ Director: Sergej M. Eisenstein; B / Script: Sergej M. Eisenstein, Grigori Aleksandrov; K / Camera: Edouard Tissé, Vladimir Popov; D / starring: Marfa Lapkina, Vasja Buzenkov, Nežnikov, Ivan Judin, M. Ivanin, 108‘ · 35 mm, russ. ZT, dt. UT / Russian intertitles, German subtitles

Am Flügel: Eunice Martins, Berlin.
Mit einer Einführung von: Christoph Hesse, Berlin.

Die Dreharbeiten von Eisensteins letztem Stummfilm – nur unterbrochen durch Oktober, einen Film zum zehnten Jahrestag der Revolution – ziehen sich über drei Jahre und kulminierten in einer Schnittratio: 100.000 : 2.500 Meter. Der Film sollte zunächst den Titel Generalnaïa Linïa (Die Generallinie) tragen, wie das gleichzeitig erschienene politische Parteiprogramm, und bekam damit eine zu große Nähe zur Realpolitik. Auf Stalins Anweisung wurde der Film umbenannt in Das Alte und das Neue. Thema ist die Kollektivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft Ende der zwanziger Jahre. Motor dieser Prozesse ist Marfa Lapkina, eine arme Bäuerin, Analphabetin, ohne jede Filmerfahrung, gecastet aus 3.000 Bäuerinnen. Am Anfang des Films stehen Tableaus aus dem Leben einer armseligen Bauernfamilie – am Ende entfaltet der Film ekstatisch eine von Traktoren eröffnete Zukunft. Am Anfang zersägen zwei Brüder die geerbte Bauernhütte – am Ende werden die Grenzpfähle von Traktoren überrannt. Dazwischen eine Apotheose des Maschinellen: der Auftritt einer Zentrifuge mit einem parasexuellen ewigen pansowjetischen Milchstrom.