Veranstaltungsreihe

Oblomok Imperii (Trümmer des Imperiums) / Der Mann, der sein Gedächtnis verlor

Am Flügel: Eunice Martins, Berlin.
Vorstellung der Filmreihe von Wolfgang Beilenhoff, Berlin.
Mit einer Einführung von Barbara Wurm, Berlin.

UdSSR 1929, R / Director: Friedrich M. Ermler; B / Script: Katarina Vinogradskaja, Friedrich M. Ermler; K / Camera: J. Schwejcer; D / starring: Fjodor Nikitin (Filimonov), Ljudmila Semjonova, V. Solovjov, J. Gudkin, Sergej Gerasimov, 80’ · 35 mm, russ. ZT, dt. UT / Russian intertitles, German subtitles

Der auf einem Theaterstück von Ernst Toller basierende Film ist einer der ersten Versuche, mit filmischen Mitteln die Komplexität des Erinnerungsprozesses zu inszenieren. Erzählt wird die Geschichte eines Bahnarbeiters, der durch einen Schock im Ersten Weltkrieg sein Gedächtnis verloren hat. Jahre später, ausgelöst durch ein besonderes Bild, findet er sein Gedächtnis wieder. Er erwacht in einer neuen Gesellschaft und entdeckt, was sich alles in einem Jahrzehnt verändert hat.

Besondere Bedeutung hat hierbei, wie in Platonows Baugrube, die Architektur. Die plötzlich vorhandenen Wolkenkratzer werden zum Indikator einer utopischen Beschleunigung, die dazu führt, dass die Stadt Petersburg innerhalb eines Jahrzehnts nicht wiederzuerkennen ist. Und wenn der Protagonist fragt „Wo ist St. Petersburg? Wer hat hier das Sagen“, so heißt dies: die neue sozialistische Gesellschaft, gesehen mit den Augen eines ‚Relikts‘ aus dem Zarismus. Die Welt von 1929 gesehen mit den Augen von 1915.