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Utopie und Gewalt. Werk und Wirkung des Schriftstellers Andrej Platonow (1899-1951)

"Platonow hat die Revolution beim Wort genommen" – "Die Baugrube" als philosophischer Entwurf.
Dževad Karahasan im Gespräch mit Lothar Müller

Platonow-Lektüren IV

„Eine wirkliche Revolution kann sich nicht darauf beschränken, die Machtverhältnisse in einer Gesellschaft zu verändern, die Reichen arm und die Armen reich zu machen. Sie muss alle Existenz zum Ursprung führen, verändern, verbessern, erfüllen.“ Der bosnische Schriftsteller Dževad Karahasan, der Platonow als einen seiner Lehrer bezeichnet, wehrt sich gegen eine enge, antikommunistische Lesart der Baugrube. Platonow habe die Revolution wörtlich genommen wie Franz von Assisi das Christentum. Sie ergreift nicht nur die Menschen, sondern auch die Vögel, die Bäume, das Wetter. Den Maschinen schenkt sie eine Seele. Platonows Helden können nur in den komplexen Zusammenhängen der Geschichte, der Meteorologie, und der Naturprozesse funktionieren. Das scheint auch auf eine Figur in Karahasans jüngstem Roman Trost des Nachthimmels (2016) zuzutreffen, der mit der Baugrube sonst nicht viel zu tun hat. Oder vielleicht doch? Kann man Platonow tatsächlich einen „Heiligen der kommunistischen Revolution“ nennen, wie Karahasan es tut? Über diese und andere Fragen spricht der Autor mit dem Literaturkritiker Lothar Müller.

Das Autorengespräch ist Teil der Platonow-Lektüren I-IV, die im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zum Werk von Andrej Platonow und dessen Wirkung stattfinden. Veranstalterin ist die DGO gemeinsam mit weiteren Partnern.

Das Autorengespräch findet in Kooperation mit dem Literaturhaus Berlin statt.